Am Anfang war die Welt ein staubiger und leerer
Ort – trostlos. Ein Außenstehender hätte sie als nutzloses Muster
ohne Wert betrachtet und wäre achtlos daran vorbeigegangen. Aber Gott
war noch nicht fertig mit der Welt ... im Gegenteil: Er hatte gerade erst
angefangen.
„Die Welt braucht eine Ordnung“, sagte Gott und
schuf Galaxien, Sonnen und Planeten. Jeder Planet drehte sich um eine Sonne
und um sich selbst. So erlebte die Welt auf ihren Planeten den ersten Tag
und die erste Nacht. „Und die ganze Welt dreht sich um mich“, stellte Gott
zufrieden fest. Aber er war noch nicht fertig mit der Welt.
„Die Welt soll leben. Sie soll ihren Schöpfer
in freiem Willen erkennen.“Gott hatte einen großen Plan und die neue
Ordnung war nur der erste Schritt. Doch mit diesem ersten Schritt war das
Schicksal der Welt besiegelt.
Ein kleiner Planet in einem unbedeutenden Sonnensystem...
Langsam kühlte die glühende Kugel sich
ab. Während es immer kälter wurde, bildeten sich dichte Wolken,
die schließlich den ganzen Planeten einhüllten. Dann setzte
der Regen ein. Heftige Gewitterstürme tobten, Blitze krachten durch
die scheinbar ewige Nacht. Die herabstürzenden Wassermassen schossen
die Berge hinunter in die Täler, die sich zunehmend auffüllten.
Doch schließlich wurde es wieder heller
und Regen und Sturm ließen nach. Als die Sonne durch die Wolken brach,
war der kleine Planet nicht wiederzuerkennen. Ein gewaltiges Meer bedeckte
die Oberfläche fast vollständig, ausgenommen eine große
Landmasse. Die sauber gewaschene Atmosphäre strahlte im Licht der
Sonne wie ein Diamant im dunkeln All.
Gott betrachtete den kleinen Planeten und sah,
dass sein Plan aufging. Aber Gott war noch nicht fertig mit der Welt.
Tag folgte auf Nacht, Nacht folgte dem Tag. Unaufhörlich
veränderten Wetter und Vulkane den Planeten. Heftige Erdbeben ließen
Berge einstürzen und den Urkontinent zerbrechen, Lavaströme bildeten
neues Land auf dem Wasser und neue Berge auf dem Land. Wind und Regen formten
das Land, ebneten Berge wieder ein und bildeten Seen und Flüsse, die
ihrerseits Schluchten bildeten und die ausgewaschene Erde zum Ozean mitnahmen.
Dieser färbte sich davon braun, bald schon schimmerte jedoch zartes
Grün im Wasser, das sich rasch ausbreitete. Das Leben hatte begonnen.
Gott sah das Gewimmel im Wasser und er sah, dass es gut war.
Tag folgte auf Nacht, Nacht folgte dem Tag. Der
kleine Planet ließ seine wilden Jahre hinter sich, Vulkanausbrüche
und Erdbeben ließen nach, das Wetter wurde milder und sanfter, so
dass der Ozean bald vom Leben überquoll. Lange schon waren Regen und
Wind zu schwach, um alle Erde in den Ozean zu bringen, wo sie vom Leben
gebraucht wurde. Daher musste das Leben zur Erde kommen. Wie sich zuvor
der Tag von der Nacht und das Land vom Wasser getrennt hatten, so trennten
sich jetzt die Tiere und Pflanzen in solche die im Wasser und solche die
an Land lebten.
Gott sah, dass das Leben seinem Plan folgte.
Aber er war noch nicht fertig mit der Welt.
„Jetzt ist die Zeit gekommen, da das Leben seinen
Schöpfer erkennen soll“, befand Gott und öffnete einem Tier die
Augen, damit es sehe.

Das Tier erkannte Gott und Gott sprach: „Du sollst
fortan nicht länger Tier sein. Adam bist du, der Mensch und Eva, das
Leben, das Gott erkennt. Du bist meine große Freude und ich will
für dich da sein. Bevölkere die Welt, sie sei dein.“ Der Mensch
sah die Welt, erkannte in ihr die Macht Gottes und bekam Angst. „Herr!“
rief er. „Die Welt ist so groß. Ich habe Angst, dass ich mich darin
verliere.“ - „Adam, du bist mein Geschöpf.“ Antwortete Gott. „Ich
gebe alles Leben dieser Welt in deine Hände. Solange du mich als deinen
Schöpfer erkennst, wird es dir an nichts fehlen, denn ich bin da und
sorge für dein Leben.“ Daraufhin zog der Mensch über das Land, gab allen Dingen,
Tieren und Pflanzen Namen und machte sie sich so zu eigen. Den Planeten
nannte er Erde, denn aus ihr war alles Leben entstanden.
Gott begleitete den Menschen auf seinem Weg und
sorgte für ihn, wie er es versprochen hatte. Gott sah den Menschen
und die Erde und er sah, dass alles sehr gut war.
Georg Doll, Frühjahr 2002