Sommer

Heute kocht die Straße wieder,
Hitze senkt sich auf uns nieder;
Jeder will nur seine Ruh',
Und im Schweiß ertrinkst auch Du.

Kein winizig Windchen wogt die Wellen; 
Glatt wie ein Spiegel liegt der See. 
Im Fluß schwitzen selbst die Forellen; 
Am Ufer gilbt und welkt der Klee. 

Des Himmels unbarmherz'ge Bläue 
Schmilzt sorglos sengend den Asphalt. 
Ein Regenwurm kroch aus dem Heue 
Und brät nun leis' am Wegesrand.

Doch DA -- nein dort - ein weißer Faden 
Zwingt zügig zieh'nd sich über'n Ort; 
Dahinter Wölkchen Wasser laden 
Und quell'n und wachsen immerfort. 

 

 Nachtschwarz wird's nun in uns'rem Orte, 
Die Luft vibriert noch in der Hitze; 
In falscher Ruhe ersterben Worte - 
Schon zucken hell die ersten Blitze.

Ein Prasseln, Klopfen, Stürmen, Toben, 
Blitze zucken, Donner kracht; 
Des Himmels Kühlung kommt von Oben - 
Und über all dem wird es nacht.

 Zuviel, ach, sind des Regens Massen, 
Die darauf stürzen auf uns nieder. 
Das Wasser steht hoch in den Straßen - 

Doch dann sieht man die Sterne wieder. 

Die Nacht setzt alledem ein Ende; 
Zwingt allem ihre Ruhe auf. 
Still doch bestimmend kam die Wende - 
Und wieder geht die Sonne auf.

Heute kocht die Straße wieder,
Hitze senkt sich auf uns nieder;
Jeder will nur seine Ruh',
Und im Schweiß ertrinkst auch Du.


Georg Doll, Sommer 1987